Saban Ünlü über die Zukunft von Flash

geschrieben von Christoph Sahner am 20. Juni 2012

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Etwa zwei Mil­lio­nen Flash-​Entwickler gab es im Jahr 2010. Men­schen, die nicht nur Ani­ma­tio­nen und inter­ak­tive Web­sites mit dem Quasi-​Standard ent­wi­ckel­ten, son­dern gar kom­plette Pro­gramme, die inner­halb von Web Brow­sern lau­fen, soge­nannte RIAs (Rich Inter­net App­li­ca­ti­ons). Doch die Wei­ge­rung von Apple, Flash auf sei­nen weit ver­brei­te­ten mobi­len Gerä­ten ein­zu­set­zen bzw. zu unter­stüt­zen, hat eine Menge Fra­gen zur Zukunft von Flash auf­ge­wor­fen, bei den Anwen­dern ebenso wie bei den Ent­wick­lern, die ja zudem ihre beruf­li­che Exis­tenz auf die­ser Tech­no­lo­gie auf­bauen. Auch Adobes Ankün­di­gung, den Flash Player für die Mobil­platt­form nicht mehr wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, trug zu die­ser Unsi­cher­heit bei.

Doch wie geht es nun tat­säch­lich mit Flash wei­ter? Und was hat es mit der baby­lo­ni­schen Sprach­ver­wir­rung um Flash als For­mat, Flash als Pro­gramm und Ent­wick­lungs­um­ge­bung, um Flash Player für mobile und PC-​Plattformen auf sich?

Wir haben ein­fach mal unse­ren Trai­ner Saban Ünlü um seine Mei­nung als Fach­mann, Ent­wick­ler und als pro­mi­nen­tes Mit­glied der Flash Com­mu­nity gefragt. Er fin­det klare Worte und urteilt sehr differenziert.

Wir haben seine Stel­lung­nahme für Sie aufgezeichnet:

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  • Mars­duck X

    Als Ent­wick­ler muss man sich sel­ber wei­ter Ent­wi­ckel und offen für neue Tech­no­lo­gien sein auch sie neu zu erler­nen ansons­ten ist man Spä­tes­tens in 10 Jah­ren von der Bildfläche.

  • http://www.facebook.com/stephan.pepi Ste­phan Pepi

    Bei HTML5 redet auch kei­ner von Videos mit Alpha kanal… Wenn ich z.b. einen Ava­tar Mode­ra­tor auf mei­ner Web­seite möchte ist dies auch nur mit Flash rea­li­sier­bar. HTML5 hat bis heute keine lösung für trans­pa­rente Videos und ich kenne viiiele Web­sei­ten die sol­che Mode­ra­to­ren Videos haben…

  • http://www.sector12.de/ Mark

    Der sprin­gende Punkt ist tat­säch­lich die Kom­mu­ni­ka­tion sei­tens Adobe. Im neu­er­li­chen CS6 News­let­ter waren nahezu alle Neu­ig­kei­ten in Dream­wea­ver und Co. auf­ge­führt. Ein Hin­weis auf Flash CS6 fehlt komplett.

  • Micha

    10 jahre kommt mir hoch­ge­grif­fen vor. Es ist wirk­lich ein Trau­er­spiel, wie die man­gel­hafte Kom­mu­ni­ka­tion dem Image der gesam­ten Flash­platt­form gescha­det hat. Und da doziert Adobe dann über Stage3D und Spie­le­ent­wick­lung, wäh­rend der Image­scha­den, der bei der Ein­stel­lung des mobi­len Flash­player ent­stan­den ist, nie beho­ben wurde.

  • Joa­Ebert

    Ich habe immer noch genauso viele Flas­h­jobs wie gehabt. Ban­ner, Games und Micro­si­tes. Wer sich etwas im Inter­net ver­nünf­tig anschauen will, benutzt sei­nen Desk­top­com­pu­ter und nicht das Mobile.
    Deine Mud­der pro­gram­miert in HTML5

  • http://megazine3.de/ hnu­ecke

    Nichts ist schwarz-​weiß, und Kon­kur­renz belebt das Geschäft.
    Von daher: Wel­come HTML5, und lange lebe Flash!

    Die fana­ti­schen Ver­teu­fe­lun­gen in der Ver­gan­gen­heit (von bei­den Sei­ten!) und die stüm­per­hafte Reak­tion von Adobe auf Ver­än­de­run­gen im Markt waren sehr schäd­lich und haben den nor­ma­len Anwen­der nur ver­un­si­chert.
    Das Mono­polstre­ben (von über­wie­gend US/​shareholder-​getriebenen Groß­fir­men) ist Gift und pure Wer­te­ver­nich­tung. Dem sollte mög­lichst bald Ein­halt gebo­ten wer­den.
    Dann machen Tech­nik und Fort­schritt auch wie­der Spass!

  • http://arnokohl.wordpress.com/ arko

    Völ­lig rich­tig ist, daß Adobe sei­nen stra­te­gi­schen Schwenk weg von Flash und hin zu HTML5 abso­lut ohne Fin­ger­spit­zen­ge­fühl kom­mu­ni­zierte. Da kam ver­ständ­li­cher­weise der Ein­druck auf, Flash sei nun tot. In Deutsch­land war Flash zudem (lei­der) nie wirk­lich beliebt. Ich ent­sinne mich noch der Site von VW, die vor vie­len Jah­ren hier­zu­lande in bie­de­rem HTML daher kam, wäh­rend VW Asia in funk­tio­na­lem Flash glänzte. Inso­fern neh­men viele Ent­wick­ler nur all­zu­gern die Nach­richt wahr, Flash gehe end­lich ins digi­tale Nir­vana ein.

    Strei­ten darf man aller­dings über die Frage, ob Apple alleine Schuld daran ist, daß Flash im Mobil­be­reich nie wirk­lich Fuß fas­sen konnte . Es ist eine trau­rige Tat­sa­che, daß Flash einen für Mobil­ge­räte ten­den­ti­ell unan­ge­mes­se­nen Ener­gie­hun­ger ent­wi­ckelte, um es vor­sich­tig aus­zu­drü­cken. Adobe hat die Ent­wick­lung weg vom Desk­top hin zu Mobil­ge­rä­ten mit Fit­zel­mo­ni­tor und ver­gleichs­weise mage­ren Resour­cen schlicht­weg verpennt.

    Dino­sau­rier ster­ben aus, wenn sie den Kli­ma­wan­del ignorieren.

    Da wäre mehr drin gewe­sen. Man beob­achte nur, wie bei­spiels­weise Unity3D für den Mobil­be­reich immer wei­ter opti­miert wird. Das­selbe gilt sogar für Boli­den wie gestan­dene AAA-​Engines (Unreal, Cry), die sich nicht zu fein sind, um auch im Mobil­be­reich ein­ge­setzt zu wer­den. Vom tech­ni­schen Vor­rei­ter wurde Flash dank Dorn­röss­chen­schlaf zum Getrie­be­nen, bemüht, von Ent­wick­lern seit vie­len Jah­ren ein­ge­for­derte Fea­tures gele­gent­lich und eher halb­her­zig umzu­set­zen. Eine gefühlte Ewig­keit brauchte es, bis end­lich der Zugriff auf die Gra­fik­hard­ware mög­lich und mit Stage3D eine leis­tungs­fä­hige Lösung prä­sen­tiert wurde. Die aber setzt man wie­der so ver­schwur­belt um, daß sich man­cher Flas­h­ent­wick­ler (inso­fern er kei­nen Pro­gram­mier­hin­ter­grund hat) eher abwen­den wird. Klar, das Starling-​Framework ver­ein­facht die Sache wie­der, aber wäre es nicht Auf­gabe von Adobe selbst gewe­sen, direkt ein ein­fa­che­res Hand­ling zu ermöglichen?

    Toll, daß Unity und Unreal in Flash funk­tio­niert (wobei aller­dings der Funk­ti­ons­um­fang ein­ge­schränkt ist) — aber wer braucht das jetzt noch? Wenn ich 3D auf einem Mobil­ge­rät haben will und dazu etwas insta­lie­ren muß (AIR oder gege­be­nen­falls die ent­spre­chende Unity-​App), dann nehme ich Unity direkt und ver­zichte auf den ohne­hin ein­ge­schränk­ten Umweg über Flash.

    Spie­le­ent­wick­lung ist sicher nach wie vor eine Stärke von Flash (via AIR eben auch für Mobil­ge­räte). HTML5 ist noch längst nicht so weit wie Flash, das mußte zuletzt Wooga, einer der ganz Gro­ßen im Casual Games-​Bereich, mit dem im Okto­ber 2011 als Open Source ver­öf­fent­lich­ten Pocket Island erfah­ren. Die Tech­nik sei noch nicht für den Main­stream bereit, lau­tete das Fazit der Ent­wick­ler. Trotz­dem las­sen sich schon sehr viele ein­fa­chere Spiele, die frü­her eben nur in Flash gemacht wur­den, jetzt in HTML5 umset­zen. Da wird also die Luft für Flash schnell dün­ner. Dito im Hig­hend­be­reich: warum noch Flash, wenn eine so mäch­tige Engine wie Unity oder, noch bes­ser, Unreal für lau zu haben ist? Und sol­che Engi­nes bie­ten eine Viel­zahl an Funk­tio­na­li­tä­ten, von denen Flash nur träu­men kann. Unser heiß gelieb­tes Flash wird also noch einige wenige Jahre gute Dienste leis­ten und dann wie einst Direc­tor in der Mot­ten­kiste verschwinden — schade!

    Übri­gens: Java­script ist pro­gram­mier­tech­nisch ein Rück­schritt gegen­über AS3 — man fällt zurück auf den Stand von AS2 mit objekt­ba­sier­ter Pro­gram­mie­rung. Da wird noch viel Zeit ver­ge­hen, bis man auf dem Stand ist, den AS3 heute schon hat. Lus­ti­ger­weise wurde Flash gerne vor­ge­wor­fen, Sicher­heits­lü­cken zu schaf­fen. Na viel Spaß mit HTML5, das, um annä­hernd die Funk­tio­na­li­tät von Flash zu errei­chen, mit Java­script ordent­lich auf­ge­peppt wer­den muß und damit neue Sicher­heits­ri­si­ken schafft. Freuen darf man sich nun auch, schließ­lich kann die eigene Arbeit weit­ge­hend mühe­los von jeder Dumpf­ba­cke kopiert wer­den, weil HTML5 und Java­script (falls man nicht einen gewis­sen zusätz­li­chen Auf­wand betreibt) in Klar­text vorliegt.

  • Til­mann­krieg

    Man müsste sich mal vor­stel­len: Die Mine­ral­öl­in­dus­trie würde heute ver­kün­den: ab 2013 unter­stüt­zen wir keine mobi­len End­ge­räte (Fahr­zeuge) mehr, die auf Diesel-​Technologie basie­ren. Schließ­lich kann man auch auf ande­ren Wegen zum Ziel kom­men…
    In kei­ner Bran­che, ist die Arro­ganz der Her­stel­ler dra­ma­ti­scher, als im Publis­hing. 2 Jahr­zehnte inves­tie­ren User in Schu­lun­gen, Updates, Hard­ware und gehen alle Schritte der Ent­wick­ler mit.
    Dann steht man urplötz­lich auf ver­lo­re­nem Pos­ten, weil 1 Her­stel­ler zunächst (Apple) sich wei­gert, das For­mat wei­ter zu unter­stüt­zen.
    Nun könnte man ja auf Adobe hof­fen — die wer­den ja hof­fent­lich eine Lösung fin­den, um Flash wie­der kom­pa­ti­bel zu machen und die von Apple vor­ge­brach­ten Schwä­chen zu kom­pen­sie­ren.
    Lei­der ist Adobe auch nicht bes­ser — man erin­nere sich an die unglück­se­lige Art, mit der sie ein Super Pro­gramm namens Free­hand erst ein­ge­kauft und dann ein­ge­stampft haben.

    Flash ist bei Desi­gnern beliebt. In Deutsch­land nicht mal so sehr, aber in Frank­reich, Korea, USA, Bra­si­lien… das sind die Län­der, die ich so kenne. Flash ist Kult und Kunst, es gibt Flash Foren und Fes­ti­vals, künst­le­ri­sche Ani­ma­tio­nen, die in Gale­rien und Museen gezeigt wer­den.
    Das ist aus gutem Grund so: Flash gibt in jeder Hin­sicht dem Gestal­ter die größt­mög­li­che Frei­heit, in der Typo­gra­phie, Bild– und Medi­en­ein­bin­dung, Ani­ma­tion — kurz: es las­sen sich damit fan­tas­ti­sche Sachen machen, die mit abso­lut kei­nem ande­ren Pro­gramm mög­lich sind.

    Flash ist bei Tech­ni­kern nicht beson­ders beliebt. Mit den Desi­gn­mög­lich­kei­ten kön­nen sie meist nicht viel anfan­gen und bevor­zu­gen eher Stan­dardras­ter. Für Fein­hei­ten der Typo­gra­phie haben sie oft kein Auge und Ani­ma­tio­nen, trans­pa­rente Über­gänge usw. brau­chen sie auch nicht unbe­dingt. Angeb­lich kann man das alles mit HTML5 machen. Das soll zwar (wenn über­haupt) erst um 2020 voll­stän­dig sein, aber bis dahin hat es sich dann sowieso durch­ge­setzt, dass web­sei­ten mit Standard-​Rastern aus Standard-​Baukästen zusam­men­ge­schraubt wer­den. Sieht immer gut aus und kos­tet fast nix. Die Desi­gner schauen dann man­chen Kun­den hin­ter­her, die zukünf­tig alles selbst machen (Ihre web­site in drei Stunden).

    Das Zurück­drän­gen von Flash, ist also eigent­lich ein Sieg der Pro­gram­mie­rer über die Gestal­ter. Und dabei wird eine große Lüge zum Argu­ment: Angeb­lich kann man mit HTML5 alles, was Flash kann, genauso gut machen. KANN MAN NICHT! Und wer solch einen Unsinn behaup­tet, hat nie ernst­haft mit Flash gear­bei­tet.
    Was ist Flash eigent­lich ursprüng­lich? Ein Zei­chen­pro­gramm, des­sen Zeich­nun­gen man auf einer Zeit­leiste ani­mie­ren und über Akti­ons­be­fehle steu­ern kann. Und wenn es sich auch über die Jahre erwei­tert hat, sind doch die Grund­la­gen gleich geblie­ben. Flash ver­hält sich zu HTML5 allein schon aus die­sem Grund, wie eine Frei­hand­zeich­nung zu einem Zeitungsraster.

    Die Geg­ner behaup­ten auch immer wie­der, dass es „rucke­lig“ sei. Stimmt eben­falls nicht. Wenn man Bil­der und Sounds rich­tig kom­pri­miert und eine Flash­seite intel­li­gent kon­zi­piert, gibt es kaum spür­bare Lade­zei­ten und schon garkein Ruckeln.
    Ich arbeite seit fast 20 Jah­ren mit Flash, und habe web­sei­ten ent­wi­ckelt, die mehr als 250 hoch­auf­lö­sende Bil­der samt Über­gän­gen ent­hal­ten, oder mehr als 200 Hör­bei­spiele von Musik­stü­cken mit Bild — geht alles glatt und schnell über die vir­tu­elle Bühne.

    Lei­der mögen auch die Anbie­ter von Soft­ware und teil­weise Hard­ware Flash nicht beson­ders.
    Warum hat denn Apple damit begon­nen, Flash auf sei­nen ipads zu boy­kot­tie­ren? Ach so, weil es zuviel Ener­gie frisst? Tat­säch­lich?
    Als vor 20 Jah­ren mein ers­tes Flash 2 lief, waren MacCX und Co doch viel schlap­per als heute jedes iphone und trotz­dem konnte man schon schöne Ani­ma­tio­nen flüs­sig zum Lau­fen brin­gen.
    Ne, der wahre Grund ist, dass sich Flash Inhalte nicht so gut kon­trol­lie­ren und abkas­sie­ren las­sen, wie html erzeugte. Texte und Bil­der las­sen sich nicht nach key­words oder Inhal­ten durch­su­chen, weil .swf Dateien wie geschlos­sene Filme sind, also von außen nicht auto­ma­tisch ein­seh­bar. Da Apple ja seine User gerne kon­trol­liert und unlieb­same Inhalte von sei­nen Platt­for­men aus­schließt, kann es sol­che „geschütz­ten“ For­mate (Übri­gens die ideale Platt­form für Dis­si­den­ten), nicht auf sei­nen Gerä­ten tolerieren.

    Aber: Apple, ich warne Dich! Zu Zei­ten, als Du fast vom Baum gefal­len bist, waren wir es, die Desi­gner und eine kleine, ide­elle Gemeinde, die Dich vor Häme in Schutz genom­men und Deine Pro­dukte übers Was­ser getra­gen haben. Heute bist Du ein schi­cker, hip­per Mas­sen­la­den, der irgend­wie die Welt­herr­schaft oder zumin­dest die Kon­trolle über Deine User anstrebt.
    Als Apfel sollte man nie ver­ges­sen: Wenn der Som­mer am schöns­ten ist, ist die Saft­presse am nächsten…

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